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Peter Thiels geheimer Besuch an der Uni Innsbruck

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Tech & Religion : Peter Thiels geheimer Besuch an der Uni Innsbruck

Der Tech-Milliardär Peter Thiel ist fasziniert von der Idee eines "Anti-Christen". Im August hielt er dazu vier Vorträge im kleinsten Kreis an der Katholisch-Theologischen Fakultät. Warum die Geheimnistuerei?

Bild von Barbara Tóth
(Dieser ALT-Text wurde mithilfe von KI erstellt) Porträt eines Mannes im dunklen Sakko vor unscharfem Hintergrund, Blick nach vorne, neutraler Gesichtsausdruck. Logo
Peter Thiel, hier auf einer Aufnahme von einem Tech-Summit 2022 in Arizona Foto: Gage Skidmore/Arizona, CC BY-SA 2.0

Es war keiner der üblichen Seniorenstudenten, der am 19. August dieses Jahres an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Innsbruck für ein zweitägiges Seminar eincheckte. Peter Thiel, 57, ist Tech-Milliardär und einer der einflussreichsten Geld- und Stichwortgeber der neuen, extremen Rechten in den USA. Er gilt als Erfinder von US-Vizepräsident J.D. Vance, Donald Trumps Kronprinzen.

Mit im Gepäck hatte Thiel vier Vorträge, die er im kleinen Kreis halten und diskutieren wollte. Jeweils vier mal vier Stunden waren vorgesehen, dazwischen Kaffee und Kuchen, rund zwanzig Theologen waren eingeladen. All das war vertraulich.

Was Thiel vorhatte, war quasi eine Generalprobe und Prüfung zugleich. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich Thiel nicht nur mit Tech, sondern auch mit Theologie. Er versucht Christentum, Tech und Apokalypse zusammenzudenken. Dafür hatte er eine eigene Vortragsreihe entwickelt: "Der Anti-Christ. Eine vierteilige Vorlesung". Anfang September referierte er seine kruden Thesen etwa in San Francisco. Das Event, veranstaltet von einer konservativ-christlichen Initiative, war binnen kürzester Zeit ausverkauft, das mediale Interesse groß.

Würden seine Denkansätze vor den Tiroler Theologen standhalten? Wo müsste er nachschärfen, wo Widerspruch erwarten?

Die Welt, wie Thiel sie sieht, funktioniert wir folgt: „Der Antichrist würde die Weltherrschaft übernehmen, indem er ununterbrochen vom Weltuntergang spricht", behauptete er etwa in einem New York Times Interview. Der Anti-Christ könnte laut Thiel beispielsweise die Klima-Aktivistin Greta Thunberg gewesen sein. Oder jemand anderer mit viel Macht und Einfluss, der Frieden und Sicherheit verspricht, sofern man die kommende Weltkatastrophe, ein Armageddon (das könnten drohende Gefahren durch KI, Atomkrieg, Klimakrise sein) durch umfassende Überwachungs- und Kontrollmassnahmen aufhalte. Dass Thiel mit seiner Firma Palantir genau die Technologien für diese drohende Disziplinierung liefern könnte, ist die seltsame Ironie dieser Geschichte.

Aber warum reiste der weltberühmte Thiel ausgerechnet an die vergleichsweise wenig bekannte Universität Innsbruck und warum wurde sein Auftritt dort geheim gehalten?

Dafür muss man kurz ausholen. An der katholischen Fakultät der Uni Innsbruck gibt es einen Forschungsschwerpunkt zur "Dramatischen Theologie", begründet vom Schweizer Theologen und Jesuiten Raymund Schwager (1935–2004), der später an der Uni Innsbruck lehrte und ein Spezialist für das Werk des französischen Denkers René Girard ist. Lange bevor Facebook, Instagram und Amazon unser Konsumverhalten veränderten, beschäftigte sich Girard schon mit dem Begehren, Neid und Nachahmungstrieb als menschlicher Grundkonstanten. Girard ist neben Carl Schmitt der Lieblingsphilosoph Thiels - und einiger anderer Silicon Valley Epigonen.

Der Missing Link in dieser Geschichte, also die Person, die Thiel und Innsbruck verbindet, ist der mittlerweile pensionierte Tiroler Theologe Wolfgang Palaver. Er wurde an der Uni Innsbruck unter anderem bei Raymund Schwager ausgebildet und lernte bei einem Auslandssemester an der Universität Stanford Anfang der 1990er-Jahre Peter Thiel kennen, bevor aus ihm der super-erfolgreiche Tech-Magnat wurde. Und er ist seitdem mit ihm in regelmäßigen Austausch. Dass die beiden ungleichen Herren befreundet sind, wäre zu viel gesagt, aber sie sind jedenfalls so gut bekannt, dass Palaver für ihn dieses universitäre Happening einfädelte.

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Thiel sei "auf seinen Wunsch zu einem geschlossenen, internen Seminar" an die Universität Innsbruck gekommen, um seine vier Antichrist-Vorträge der Forschungsgruppe "Dramatische Theologie" vorzustellen, erklärt Palaver auf Falter-Anfrage. Das Ganze sei kein Kotau vor einem exzentrischen Superreichen gewesen, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit ihm.

Palaver übernahm selbst die Rolle des Kritikers, er replizierte auf Thiels Ausführung, dann wurden seine Vorträge in der Gruppe diskutiert. "Alles auch in der Hoffnung, ihn zum Überdenken seiner Positionen zu bewegen und für uns, um seine Position besser zu verstehen. Es gibt Leute, die der Meinung sind, mit Leuten wie Thiel dürfe man nicht reden. Wir glauben, dass die kritische Auseinandersetzung notwendig ist", meint Palaver.

Die Girardisten, Anhänger der Lehren Girards, weltweit gut vernetzt und von Thiel seit Jahren gesponsert, sind nicht immer glücklich darüber, wie ihr Mäzen den Meisterdenker interpretiert - und zuletzt auch für seine eigenen Zwecke nutzt.

Aber warum dann die Geheimhaltung? Thiel als Gastvortragender an einer Uni, damit könnte man ja auch Werbung machen. Man wollte Thiel keine öffentliche Plattform geben, weil das "den Eindruck erwecken würde, dass wir seine Ansichten teilen", sagt Palaver. Und man wollte die Gelegenheit nutzen, Thiel und seine Denke im vertraulichen Umfeld hautnah zu erleben, um besser zu verstehen, was unter Amerikas Ultra-Rechten gerade abgeht.

Der Universität seien dadurch übrigens keine Kosten entstanden, Thiel zahlte seine Anreise und Übernachtung wenig überraschend selber und kam auch für Buffet und Erfrischungen an den beiden Seminartagen auf. Auf diese Feststellung legt das Dekanat der Katholisch-Theologischen Fakultät wert.

Und welchen Eindruck hat Thiel auf die Tiroler Theologenschaft gemacht? "Thiel glaubt geradezu fanatisch an die Problemlösungspotentiale der Technologie. Das zentrale Übel der Gegenwart sieht er daher darin, dass seit geraumer Zeit innovative Stagnation herrsche. Dies sei neben einer trägen Grundhaltung der Menschen wesentlich durch staatliche Überregulierungen von Wissenschaft und Ökonomie und zum Teil auch ökologisch motivierte Zügelungen technischer Entwicklung verursacht", fasst es der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Wilhelm Guggenberger zusammen.

So weit, so wenig überraschend für einen klassisch Libertären.

"Der philosophisch gebildete und theologisch interessierte Thiel bringt dies nun aber in Verbindung mit apokalyptischem Denken und den biblischen Bildern von Antichrist und Katechon. Auf problematische Weise versucht Thiel diese Ideen mit konkreten Personen oder Institutionen im gegenwärtigen Weltgeschehen zu identifizieren. Die Bedrohung schlechthin (Antichrist) ist für ihn dabei jegliche Form einer internationalen politischen Ordnung, seien dies irgendeine Form von Weltstaat oder auch starke Vereinte Nationen. Dem gilt es in Thiels Augen entgegenzuwirken."

Fazit: Als Katholisch-Theologische Fakultät sehe man es "als unsere Verpflichtung an, in Forschung und Lehre einen Widerpart für solche Tendenzen zu bieten."

Thiels aus verschiedenen religionsphilosophischen Versatzstücken zusammengeschusterte Ideologie wurde somit zumindest von der Universität Innsbruck mit einem "Nicht genügend" bewertet.

Einen schönen Abend wünscht

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