Ich saß heuer ja unzählige Stunden vor Gothic Remake. Genau gesagt 70 an der Zahl. Man kann also mit Fug und Fleischwanzenragout behaupten: Die Rollenspiel-Neuauflage hat gezündet bei mir. Umso mehr hat es mich kalt wie Beliars Blitz erwischt, als in meinem Mail-Postfach ein Key zu Gothic Classic einschlug. Da wäre ich fast vom Stuhl gekippt. Gerade so, als hätte eine Tagesration Schwarzer Weiser geballert.
„Das Ur-Gothic werde ich, jetzt, da dieses Remake das Original von 2001 in jederlei Hinsicht übertrifft – spielerisch, grafisch, atmosphärisch –, niemals mehr anfassen. Selbst mit der Grillzange und mit einer Armlänge Sicherheitsabstand nicht“, dachte ich mir während meiner Spielzeit mit der Neuauflage von Alkimia Interactive. Und jetzt, nicht mal vier Monate später, werde ich von diesem neuen, aber alten Gothic eines Besseren belehrt. Und habe binnen eines verlängerten Wochenendes unverhofft wieder über zehn Stunden mit dem ursprünglichen RPG-Klassiker auf der Uhr.
In einer Welt, bevor Gothic Classic mich zurückwarf – in die magische Barriere
„Aha, jetzt wird Gothic also gemolken, bis der allerletzte Tropfen Minecrawler-Sekret geflossen ist“, möchte man meinen. Gothic, so oder so ähnlich, wie es zu Beginn der frühen Nullerjahre war, ist zurück. Eines meiner liebsten Rollenspiele jemals und überhaupt, ach was, eines meiner allerliebsten Games auf Lebenszeit, schleicht sich so mir nichts, dir nichts auf die mobilen Endgeräte mit dem Kernobst-Symbol. Oder weniger kryptisch formuliert: Donnerstag, der 24. September, ist jener Schicksalstag, an dem THQ die magische Käseglocke über iPad und iPhone gestülpt hat. Bei aller von Nostalgie getränkten Vorfreude war ich trotzdem skeptisch – und nicht zu gering.
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Um meine Vorbehalte bei Gothic Classic greifbar zu machen, ein Kurzausflug in meine jüngere Historie in puncto portable Videospiele – keine Bange, das wird kein Diavortrag, sondern ein schneller Schweinsgalopp, pardon, ein Molerat-Marsch natürlich. Jedenfalls: Ich habe Mobile-Konvertierungen klassischer Reihen eine faire Chance eingeräumt. Echt jetzt. Eine schlanke Verspätung von sechs Stunden (!) bei der Deutschen Bahn habe ich mir Ende 2024 mit Baphomets Fluch 5 versüßt. Ein knappes Jahr später euphorisierte mich ein Metal Slug X auf dem Retro-Handheld The Super Pocket NEOGEO.
Doch so vorauseilend, wie sich mein Spieltrieb am Point-and-Tipp-Spiel Bahn brach – ihr wisst schon, wegen Deutsche Bahn und so –, das heißt, am 2D-Sidescroller entzündete, genauso zügig war meine Begeisterung verflogen. Nichts gegen Charles Cecils Grafik-Adventure-Klassiker oder das explosive Run-and-Gun-Dauerfeuer aus Fernost. Aber Broken Sword 5: The Serpent’s Curse habe ich – so viel Ehrlichkeit muss sein – nach dem Bahn-Debakel wieder vom Handy gekickt. Zudem der Handheld-Aparillo NEOGEO dekoriert seit bald einem Jahr meine Fensterbank. Macht sich dort trefflich als Staubfänger. Tja, und nun?
Jetzt gebe ich einer morgendlichen Wanderung durch das Minental den Vorzug gegenüber Avowed auf meinem Ultrawidescreen-Monitor – und allmählich eröffnet sich mir der Charme von Mobile-Versoftungen. Aber fangen wir vorne, beziehungsweise bei jenem Schmerzpunkt an, der gar keiner ist: der Steuerung. „Schließe deinen Lieblingscontroller an, um das präzise Spielgefühl einer klassischen Konsole zu genießen“, weiß die Spielbeschreibung in Apples App-Store. Ich war mir sicher, so sehr, wie Cor Kalom mit seinem Alchemietisch verwachsen ist: Davon werde ich Gebrauch machen. Aber weit, weeeiiit gefehlt.